Endoskopische Kastration

Endoskopische Kastrationen bieten als minimalinvasive Chirurgie die geringstmögliche Schmerzbelastung für den Patienten sowie die kürzeste postoperative Schonungsphase.

Bei der Ein-Portal-Methode hält die Assistenz das Ovar, während der Operateur mit der linken Hand
Bei der Ein-Portal-Methode hält die Assistenz das Ovar, während der Operateur mit der linken Hand
die Kamera und mit der rechten Hand das Instrumentarium führt.

Das Wort Endoskopische Kastration leitet sich ab aus den griechischen Worten endos : innen, skopein : beobachten und dem lateinischen Wort castro, castratus , welches so viel bedeutet wie schwächen, entnehmen oder entkräften.

Es können endoskopisch sowohl die Eierstöcke entnommen werden Ovarioektomie als auch die Eierstöcke und die Gebärmutter Ovariohysterektomie.


Das an der Bauchwand mit einem Faden fixierte Ovar wird mittels Hochfrequenzchirurgie vom Uterus abgetrennt.

Eine endoskopische Ovariohysterektomie erfordert eine deutlich längere Operationszeit, da die Gebärmutter im Bauchraum zerteilt und stückweise entfernt werden muss. Wir raten zu diesen Verfahren nur in seltenen Fällen, wie zum Beispiel wenn die Hündin läufig ist und ein Abwarten der Läufigkeit für die Besitzer keine Option ist oder wenn Veränderungen an der Gebärmutter (diese sind in der Vielzahl der Fälle gutartig) während der Operation festgestellt werden.

Lange Zeit galt die Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter als die Methode der Wahl, da befürchtet wurde, dass die verbleibende Gebärmutter sich entzünden könnte. Inzwischen ist durch Studien belegt, dass die Gebärmutter inaktiv verbleibt und eine Gefahr der Entzündung nicht besteht.

Gründe für die Kastration sind die Verhinderung von Trächtigkeit und Scheinträchtigkeit, sowie die Verhinderung der Entzündung und zystischer Entartung der Gebärmutter. Außerdem reduziert die Kastration das Risiko der Entstehung von Gesäugetumoren.

Eine Kastration vor der ersten Läufigkeit reduziert das Risiko auf 0,5 % des Risikos der unkastrierten Hündin. Nach der ersten Läufigkeit liegt das Risiko bei 8 %, nach der zweiten Läufigkeit bei 26 %. Ab der dritten bis vierten Läufigkeit geht man davon aus, dass das Gewebe in der Gesäugeleiste durch die Hormonrezeptoren soweit umgeschaltet ist, dass von einer Kastration im Sinne der Tumorprophylaxe kein Vorteil mehr zu erwarten ist. Wiedersprüchlicherweise belegen Studien, dass Hunde, die 2 Jahre vor der Tumorentstehung kastriert wurden, bis zu 45% länger leben als Hunde die nicht kastriert oder weniger als 2 Jahre zuvor kastriert wurden. Gesäugetumore bei der Hündin treten in der Regel ab einem Alter von 7 Jahren auf und sind in 50% der Fälle bösartig. Im Gegensatz zur Katze, wo 90% bösartig sind.

Bei einer Kastration vor der ersten Läufigkeit bleibt dem Tier die hormonelle Reifung versagt, die Hündinnen bleiben verspielter und das Fell bleibt welpenhaft weich. Bei einer sehr schwach entwickelten Vulva kann sich unter Umständen eine chronische Scheidenentzündung entwickeln, welche aber chirurgisch behoben werden kann. Großwüchsige Hunderassen, welche im Alter von 3 Monaten mit der konventionellen Methode kastriert wurden, neigen vermehrt zum Urinträufeln (Harninkontinenz).

Ob eine endoskopische Kastration eine Harninkontinenz verhindert, ist bislang nicht bekannt.

Ablauf der Operation

Die Hündin wird, in der Regel im Beisein der Besitzer, über einen venösen Zugang in Narkose gelegt und danach intubiert und beatmet.

Die Narkose wird über ein Isofluran / Sauerstoff Gemisch aufrechterhalten (Inhalationsnarkose). Eine kontinuierliche Überwachung der Narkose erfolgt durch qualifiziertes Personal und moderne Technik.

Nach der Rasur und Desinfektion der Haut wird über eine Veressnadel gereinigtes (medizinisches) Kohlenstoffdioxid in die Bauchhöhle geleitet.

Sobald ein Druck im Bauchraum erreicht wurde, der die Organe zur Seite drückt, kann der erste Throkar über einen ca. 1,5 cm langen Schnitt auf Höhe des Bauchnabels gesetzt werden.

Die Endoskopie-Kamera wird durch die Throkaröffnung in die Bauchhöhle geführt, so dass unter Sichtkontrolle ein bis zwei weitere Throkare gesetzt werden können.

Bei der 1 Portalmethode (Kamera und Arbeitskanal in einem Portal) und bei der 2 Portalmethode (1 Kameraportal + 1 Instrumentenportal) wird das Ovar kurzfristig an der Bauchwand fest genäht. Nachdem die Gebärmutter und Blutgefäße elektochirurgisch verödet wurden, wird der Eierstock (Ovar) abgetrennt, die Fixation an der Bauchwand wird gelöst und das Ovar entfernt.

Die 1 und die 2 Portalmethode bieten sich bei kleinen Hunden an, wo wegen des geringen Raumvolumens in der Bauchhöhle ein weiteres Instrumentenportal hinderlich wäre.

Bei der 3 Portalmethode (1 Kameraportal + 2 Instrumentenportale) wird das Ovar mit einer Klemme gehalten während die Blutgefäße elektochirurgisch verödet werden. Nach Abtrennen des Ovars wird es bei großen Hündinnen im Bauchraum zerteilt und stückweise entfernt.

Die 3 Portalmethode bietet sich bei mittelgroßen und großen Hündinnen an, da sie ein sehr präzises Arbeiten und Zerschneiden des Ovars ermöglicht.

Die Entnahme der Ovarien erfolgt auf der rechten und linken Seite nach einer der beiden oben beschriebenen Methoden.

Nach einer abschließenden Betrachtung der Bauchhöhle wird das Gas aus der Bauchhöhle abgelassen und die Throkare werden entfernt.

Die Wunden werden in der Haut (intracutan) mit einem sich auflösenden (resorbierbaren) Faden vernäht. Ein Fädenziehen ist nicht notwendig. Als zusätzlicher Wundschutz wird ein Gewebekleber aufgetragen.


Die Wunde ist ca. 1 cm lang und wird in der Haut vernäht.

Die Hündin wird, sobald sie völlig wach ist, (in der Regel nach 1,5 Stunden) entlassen. Sie darf nach der OP Essen und Gassi gehen / spielen wie gewohnt, jedoch sollten Schwimmen und exzessive Belastungen ( Bergwanderungen, stundenlanges Frisbeespielen, etc.) für 5 Tage unterbunden werden.


Ein-Portal-Kamera mit Endoskopie-Zange

Sollten Sie Fragen zum Thema endoskopische Kastration haben, zögern Sie bitte nicht uns zu kontaktieren.