Patellaluxation

Die Patella, besser bekannt als Kniescheibe, wirkt zwar auf den ersten Blick unscheinbar, hat aber eine wichtige Funktion: Sie gestaltet die Muskelarbeit der Kniebeuger und -strecker effizienter, schützt die Sehne, die über das Kniegelenk hinweg zieht und vergrößert ihre Auflagefläche.

 

Dafür gleitet sie wie ein Schlitten in einer Rinne, die sich an der Vorderseite des zum Kniegelenk hin gelegenen Ende des Oberschenkelknochens befindet.

Sind entweder das Schienbein oder der Oberschenkel etwas in ihrer Achse verdreht oder ist die Gleitrinne nicht tief genug, dann kann die Patella seitlich aus ihr herausrutschen.

Das kann entweder nach Unfällen passieren oder, und das ist der häufigere Fall, aufgrund angeborener Defizite in der Gelenkausbildung oder Knochenstellung. Letzteres wird vor allem bei Miniatur- und Zwergrassen gesehen – die Kniescheibe verschiebt sich bei ihnen in aller Regeln zur Knieinnenseite hin - , zu etwa 20% aber auch bei größeren Hunden, wo die Patella eher zur Außenseite hin aus der Gleitrinne rutscht.

Die angeborene Patellaluxation tritt nicht selten an beiden Kniegelenken gleichzeitig auf.

Ausprägung

Der Tierarzt teilt die Ausprägung der Patellaluxation in verschiedene Grade ein:

Grad 1 Die Kniescheibe liegt normalerweise an Ort und Stelle, lässt sich aber vom Tierarzt seitlich verschieben und kehrt von selbst an ihren Platz zurück
Grad 2 Wie Grad 1, die Kniescheibe nimmt jedoch erst wieder ihren Platz ein, wenn das Gelenk bewegt wird
Grad 3 Die Kniescheibe wird bei der Untersuchung am stehenden Hund immer oder zeitweise neben der Führungsrinne gefunden, rutscht erst durch Bewegungen am Gelenk zurück
Grad 4 Die Kniescheibe liegt permanent außerhalb der Führungsrinne und kann auch nicht wieder in ihre Position gebracht werden

Eine Patellaluxation vom Grad 1 ist in vielen Fällen ein Zufallsbefund, der nur selten mit Lahmheit einhergeht. Ein Hund mit einer Luxation 2. Grades wird immer dann, wenn die Patella „herausspringt", einige Schritte auf drei Beinen laufen, bis die Kniescheiben von selbst ihren Platz wieder gefunden hat. Diese Symptome verstärken sich im Grad 3 und 4; sind beide Knie betroffen, dann bewegt sich der Hund stets mit etwas gebeugten Knien und kurzen Schritten vorwärts.

Die angeborene Patellaluxation hängt fast immer, wie oben bereits angedeutet, mit einer Fehlstellung des Beines zusammen. Deshalb werden je nach Grad der Ausprägung spätestens im Röntgenbild zusätzlich O- oder X-Beinigkeit (Auswärtsdrehung des Oberschenkels, Einwärtsdrehung des Schienbeins) gesehen. Dass aus diesen Fehlstellungen leicht Arthrosen entstehen können, ist neben der Lahmheit ein zusätzliches Argument dafür, die Patellaluxation chirurgisch zu behandeln. Im Zweifelsfall muss das auch schon bei sehr jungen Hunden geschehen, um weiteren Fehlentwicklungen zuvorzukommen. Eine wirkungsvolle konservative (nicht-operative) Methode gibt es leider nicht.

Der Eingriff

 

Zur Stabilisierung der Kniescheibe dienen verschiedene Operationstechniken. Als auf Dauer am Erfolg versprechenden haben sich zwei Verfahren herausgestellt. Zum einen wird die Gleitrinne für die Kniescheibe vertieft. Dafür kann der Knorpel bei kleinen Rassen etwas ausgefräst werden.

Bei größeren Hunden wird meist ein keilförmiges Stück Knochen im Bereich der Gleitrinne entnommen, verkleinert und unter Schonung des Gelenkknorpels wieder so eingesetzt, dass es etwas tiefer liegt. Die zweite Erfolg versprechende Technik zielt darauf ab, die Verlaufsrichtung der Sehne, in der die Kniescheibe liegt, zu normalisieren.

Dafür wird der Knochenvorsprung, an dem sie am Schienbein ansetzt, abgesägt und ein kleines Stück weiter entgegen der Luxationsrichtung wieder an den Knochen angeschraubt bzw. –gedrahtet. So verschiebt man auch die Kniescheibe wieder stabiler in ihre Gleitrinne.

 

Zusätzlich können bei Bedarf folgende weitere OP-Verfahren angewandt werden:

  • Entspannung der Gelenkkapsel und Bänder an der Seite, zu der die Patella luxiert, sowie Straffung auf der Gegenseite

  • Seitliches Fixieren der Patella durch bindegewebige Strukturen

  • Falls nötig, muss der Oberschenkelknochen operativ gerade gerichtet werden

  • Welche Kombination chirurgischer Verfahren nötig ist, wird von Fall zu Fall individuell abgesprochen.

Nachbehandlung

Nach der Operation besteht für den Hund einige Zeit Leinenzwang, damit das frisch operierte Gelenk nicht zu früh wieder stark belastet wird. Im Anschluss daran muss für eine optimale Wiederherstellung der Gelenkfunktion ein gezielter Muskelaufbau erfolgen. Je früher die Patellaluxation erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf eine folgenlose Ausheilung nach erfolgter Operation.